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Samstag, 17. Juli 2021

»Dem Ziel entgegen« von Hermann Hesse

Hermann Hesse

»Immer bin ich ohne Ziel gegangen,
wollte nie zu einer Rast gelangen,
meine Wege schienen ohne Ende.

Endlich sah ich, daß ich nur im Kreise
wanderte, und wurde müd der Reise.
Jener Tag war meines lebens Wende.

Zögernd geh ich nun dem Ziel entgegen,
denn ich weiß: Auf allen meinen Wegen
steht der Tod und bietet mir die Hände.«


»Dem Ziel entgegen« von Hermann Hesse (1877 - 1962)





Hermann Hesse-Gedichtbände:

»Das Lied des Lebens«: Die schönsten Gedichte
»Das Lied des Lebens«:
Die schönsten Gedichte


Sämtliche Gedichte in einem Band
Sämtliche Gedichte in einem Band

Donnerstag, 24. Dezember 2020

»Weihnachten« von Hermann Hesse

Baum im Herbst

Ich sehn´ mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub´, ich hab´s einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
daß alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei´s Sonnnenstrahl,
daß Regen, Schnee und jede Wolk,
daß all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön
Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön´
ein´s jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd´ still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, das war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb´ bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!

»Weihnachten« von Hermann Hesse

Samstag, 24. Oktober 2020

Hermann Hesse als Anwalt des Individuums

Hermann Hesse


Hermann Hesse ist entschiedener und engagierter Anwalt des Individuums und des Innenlebens in einer immer schnellebiger werdenden Gesellschaft, die ihre Mitglieder mit starken Konformitätszwängen in normierte Lebensläufe pressen will.

Samstag, 17. Oktober 2020

»Oktober« von Hermann Hesse

Goldener Oktober
In ihrem schönsten Kleide Stehn alle Bäume gelb und rot, Sie sterben einen leichten Tod, Sie wissen nichts von Leide.

Herbst, kühle mir das heiße Herz, Daß es gelinder schlage Und still durch goldene Tage Hinüberspiele winterwärts.

»Oktober« von Hermann Hesse

Samstag, 10. Oktober 2020

»Peter Camenzind« - ein Roman voller Tiefe


Peter Camenzind: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)


Hermann Hesse zeichnet in seinem Roman »Peter Camenzind« den Lebenslauf des aus einem bäuerlich geprägten Schweizer Hochgebirgsdorf stammenden Peter Camenzind. Der Protogonist durchläuft Lebensstationen in Zürich und Basel und lernt auf Wanderungen und ausgedehnten Reisen Deutschland, Frankreich und Italien kennen.

Peter Camenzind ist angewidert durch die sogenannte Gesellschaft bzw. das intellektuelle Leben. Nirgendwo sonst findet er derartig überzogene, verlogene Rollenbilder, die man sich überstülpt, sie sind in diesen Kreisen sogar gewalttätiger und irrsinniger als anderswo.

Er sucht die Natur - und findet über diesen Weg einfache Seelen voller Schönheit, unverkünstelt und echt. Die Schilderung von Wolken-Bildern als kleines Beispiel - nirgendwo habe ich etwas vergleichbar Zutreffendes gelesen, alle Draußen-Skizzen sind ein einziger Genuss.

Seine Wanderungen im Freien, die Annäherung an den menschlichen Krüppel am Ende, dort, wo er tiefste Schönheit findet: hier ist das Bemühen um Gott und die Welt tiefergehend, eindrücklich greifbar. Hesse ist als Mitte-Zwanzig-Jähriger deshalb soweit, weil er früher als andere die Verlogenheit von Gemeinschaften (seine Eltern waren pietistische Missionare) erkennt, die sich wie Fesseln um die freie Entfaltung von Seelen legen (können), sein Werk ist ein einziger Befreiungsakt dagegen.

Das Leben im Jetzt, ohne Notwendigkeit auf Anerkennung von anderen, ein freier Geist, am Grund der Dinge, abgekoppelt von Rollen- und Sittenbildern, ganz sich selbst fühlend, mit dieser Art kann es jeder schaffen, Beziehungen zu leben, die nicht von Tauschgeschäften geprägt sind, sondern von tiefer, kooperativer Menschlichkeit und natürlicher Schönheit.
Hermann Hesse gelang der literarische Durchbruch mit dem zivilisationskritischen Entwicklungsroman »Peter Camenzind«. Der Roman machte Hesse über Nacht berühmt und und ermöglichte ihm eine Existenz als freier Schriftsteller.

Die 1904 veröffentlichte Erzählung »Peter Camenzind« legte den Grundstein für das Renommee des über vier Jahrzehnte später mit dem Nobelpreis für Literatur geadelten Hermann Hesse.

Hermann Hesse ist zeitlebens vor allem Rezensent gewesen, hat sich damit seine ersten Sporen verdient (köstlich seine Anmerkungen dazu in diesem Buch), er möchte sein Leben über das Schreiben und ein einfaches Leben voller Entsagungen zubringen, im Fluss seiner inneren Werte, wolkenverhangen oft, und auf ursprüngliche Art glücklich sein. Peter Camenzind ist ein autobiografischer Roman, die Grundlage dafür, dass Hesse vom Schreiben leben kann, ein Zielfeld für alles, was kommen sollte.

Samstag, 19. September 2020

»Sommers Ende« von Hermann Hesse

Ein Sommerabend


Gleichtönig, leis und klagend rinnt
Den lauen Abend lang der Regen,
Hinweinend wie ein müdes Kind
Der nahen Mitternacht entgegen.

Der Sommer, Feste müd,
Hält seinen Kranz in welken Händen
Und wirft ihn weg – er ist verblüht –
Und neigt sich bang und will verenden.

Auch unsre Liebe war ein Kranz
Auflodernd heißer Sommerfeste,
Nun löst sich sacht der letzte Tanz,
Der Regen stürzt, es fliehn die Gäste.

Und eh wir der verwelkten Pracht
Und der erloschenen Glut uns schämen,
Laß uns in dieser ernsten Nacht
Von unsrer Liebe Abschied nehmen.


»Sommers Ende« von Hermann Hesse


Hermann Hesse-Gedichtbände:

»Das Lied des Lebens«: Die schönsten Gedichte
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Die schönsten Gedichte


Sämtliche Gedichte in einem Band
Sämtliche Gedichte in einem Band

Samstag, 5. September 2020

»September« von Hermann Hesse





Der Garten trauert,
Kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
Still seinem Ende entgegen.

Golden tropft Blatt um Blatt
Nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
In den sterbenden Gartentraum.

Lange noch bei den Rosen
Bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die großen
Müdgewordenen Augen zu.

»September« von Hermann Hesse

Die Natur trauert. Der September ist, lyrisch gesehen, die beste Zeit zum Sterben. Und dieses Gedicht ist ein wunderschönes, gelassenes Einverstandensein mit dem Ende, das bei Hermann Hesse aber doch noch eine Weile ausblieb.



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Video:

Hermann Hesse "September" - YouTube